Schwerpunkt für mich ist die Akkordarbeit auf der Gitarre. Denn die Gitarre ist für mich erst mal Rhythmus-, und dann Soloinstrument.

Ein guter Rhythmusgitarrist kann auch einen schlechten Solisten noch richtig ins Licht stellen, während auch ein guter Sologitarrist ohne
entsprechendes Backing (Rhythmusgruppe) keine Chance hat. Über Akkorde (und entsprechendes musiktheoretisches Wissen) kann man sich eine ganze Menge Zusammenhänge klar machen, die dann auch früher oder später zu einem entsprechendem (ansprechenden) musikalischen Vortrag führen werden.

Ich will keine Theoretiker heranzüchten, die zwar wissen, was man tun könnte, dies dann aber nicht umsetzen können.

Andererseits habe ich im Laufe der Jahre viele Leute kennengelernt, die zwar wirklich gut spielen (sowohl im technischen wie im musikalischen Sinne), aber einfach nicht wissen, was sie da tun, bzw. noch machen könnten.  Etwas besser machen kann man immer, man muss nur aufpassen, dass man nicht "verschlimmbessert". Ich habe keine Schwierigkeiten damit, jemanden wieder nach Hause zu schicken, wenn ich merke, dass er seine vorhandene Kreativität oder Unbefangenheit verlieren würde, oder einfach selber erst seinen Weg finden muss. Wenn man Gitarre spielt, dann, um Musik zu machen. Das hat dann auch etwas mit Handwerk (im wahrsten Sinne des Wortes) zu tun.

Beim Handwerk kann man zwischen Heimwerkern und Bastlern, und den Handwerkern mit abgeschlossener Lehre unterscheiden.

Erstere können durchaus auch wundervolle Sachen erschaffen, haben dabei aber keinen Zeitdruck, und keinen Kunden, der auf die Fertigstellung wartet. Beim Handwerksberuf sieht die Sache anders aus, deswegen gibt es dort einen Lehrmeister, der jedem Lehrling seine Kniffe, also die Handwerkskunst beibringen soll. Und dort kann man auch nicht trödeln, sondern muss den jeweiligen „Job“ möglichst schnell und effizient erledigen.

Musik ist eine Zeitkunst. Ausbessern, Radiergummi, Tipp-Ex oder "Delete" ist nicht. Entweder kann ich oder ich kann nicht. Wenn ich nicht kann, wird es im Studio teuer, weil man es zusammentricksen kann, auf eine Bühne brauche ich mich dann aber gar nicht trauen. Und wenn ich live spiele, und Fehler mache, dann ist das eben live. Eine Garantie dagegen gibt es nicht, auch wenn man sein Zeug jahrelang geübt und/oder fehlerfrei gespielt hat, kann mal was schiefgehen. 


Ich nehme Anfänger zu Beginn an die (virtuelle) Hand und führe sie an die Materie heran, ab einem gewissen Level oder bei Leuten mit Profiambitionen kann ich aber auch gemein werden. Es nützt meiner Meinung nach einem Schüler überhaupt nichts, wenn man ihm das Gefühl gibt, dass er der Größte ist, um ihn dann im rauen Alltag voll gegen die Wand laufen zu lassen. Im Unterricht kann ich Hilfestellung geben, vor Publikum muss es einfach laufen.
Zwar bin ich kein Lehrmeister, versuche aber meiner Rolle als Lehrer dadurch gerecht zu werden, dass ich versuche, jedem meiner Schüler eben auch alle mir bekannten Kniffe und „Tricks“ (die eigentlich auch nur angewandtes Wissen sind) beizubringen, damit jeder dann seinen jeweiligen Auftrag gut erfüllen kann. Im Gegensatz zum Handwerk kann man aber beim Unterrichten durchaus auch von seinen Schülern lernen. Und bevor ich die mit irgendwelchen Techniken quäle, muss ich mich erstmal selbst mit der Materie ausgiebig beschäftigen.

Wenn ich es nämlich auf die Reihe gebracht habe, sollten es andere auch können. 

Ich werde zumindest nach meinem Selbstverständnis als „Gitarrenlehrer“ nicht für meine Spielkünste bezahlt, sondern bis jetzt immer noch dafür, wie gut ich mein Wissen und Können an die Frau/den Mann bringe. Und wenn sich die musikalischen Anforderungen ändern, dann sollte ich mich als Lehrer damit eben auseinandersetzen. Nur wegen „Kohle“ verbiegen will ich mich nicht, muss aber als Lehrer erstmal auf die Wünsche meiner „Kunden“ eingehen können. Ob ich es dann gut finde, oder nicht, ist eine andere Sache. Und andererseits macht es ja auch Spaß.

Hier ist dann ein Profi gegenüber dem „Lehrer im Nebenjob“ im Vorteil, weil er sich wesentlich stärker mit der Materie auseinandersetzen muss (und vielleicht auch deswegen die bessere Wahl ist). Ich habe im Laufe der Jahre auch von meinen Schülern einiges lernen können, sei es im Umgang mit ihnen, oder durch die Anregungen, die ich durch sie bekommen habe. Und das gewisse Leuchten in den Augen eines Schülers/einer Schülerin gleich welchen Alters bei Erfolgserlebnissen wird man in anderen Berufen wohl kaum erleben können.